Handlungsfeld 4: VG Daun – Dorfinnenentwicklung hat Vorrang

    In Handlungsfeld 4 werden Ansätze verfolgt, die die Innenentwicklung der Orte in der VG Daun fördern. So können die Attraktivität und Vitalität der Dörfer erhalten und die Inanspruchnahme von wertvollen Flächen der Kulturlandschaft im Außenbereich vermieden werden.

    Das Handlungsfeld reicht von der Schaffung der notwendigen planerisch-konzeptionellen Grundlagen über die Sensibilisierung für die Vorteile der Innenentwicklung, die Schaffung finanzieller Anreize bis hin zu ganz konkreten Maßnahmen der Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen. Die VG Daun kann hier insb. durch das LEADER-Projekt DIE-Chance für das Dorf!, das sie gemeinsam mit den VGn Gerolstein, Kelberg und Ulmen in den Jahren 2011 bis 2014. durchgeführt hat, auf Datengrundlagen wie auf ein Instrumentenset zurückgreifen. Diese Daten werden seitdem regelmäßig aktualisiert und das Instrumentenset wird in großen Teilen bereits angewandt. Im Zuge der hier vorliegenden Aktualisierung der Entwicklungsstrategie wurde das Instrumentenset wo nötig noch weiterentwickelt.

    Dass auch weiterhin ein Bedarf zur Förderung der Innenentwicklung vorliegt, zeigt exemplarisch die Entwicklung der Leerstandsquote von 2012 bis 2016. Lag sie 2012 mit 438 Leerständen (von 7638 Wohngebäuden insgesamt) bei 5,73%, so lag sie 2016 mit 472 (von 7648 Wohngebäuden insgesamt) bei 6,17%. Damit hat sich die Leerstandsquote leicht erhöht.

    Um erfolgreich Innenentwicklung in den Dörfern betreiben zu können, sollte sich zunächst mit der Vision für das eigene Dorf beschäftigt werden. Zukunftskonferenzen (siehe hierzu HF 12, Maßnahmenbereich Zukunftskonferenzen) bieten hierzu einen geeigneten Einstieg.

    Akteure in diesem Handlungsfeld sind die Verwaltung der Verbandsgemeinde Daun, die Ortsgemeinderäte, die DIE-Botschafter und die (potenziellen) Eigentümer eines Innenentwicklungspotenzials.

    1. KATASTER aktualisieren und pflegen

      Grundlage für eine erfolgreiche Innenentwicklung ist die Kenntnis der vorhandenen Innenentwicklungspotenziale. Die im Projekt DIE-Chance für das Dorf! aufgebauten Kataster zu Leerständen, potenziellen Leerständen und Baulücken aus 2012 bilden hier die Basis. 2016 und 2018 wurden die Daten zu Leerständen und potenziellen Leerständen durch die Bauverwaltung mit Unterstützung eines externen Dienstleisters aktualisiert. Aufgabe der Ortsgemeinden war und ist es, diese mit ihrem Wissen von vor Ort zu prüfen. Diese vor-Ort-Prüfung der Daten für 2018 ist noch nicht in allen OGn abgeschlossen, daher liegen die Zahlen für 2018 noch nicht vollständig in validierter Form vor.

      Auch zukünftig sollen diese Daten alle zwei Jahre aktualisiert werden und anschließend durch die Ortsgemeinderäte (oder, wo vorhanden, unterstützt durch einen Arbeitskreis Innenentwicklung) vor Ort überprüft werden. Hieran beteiligt sich mittlerweile bereits der überwiegende Teil der Ortsgemeinden. Ziel ist es, dass sich zukünftig alle Ortsgemeinden aktiv in diese vor-Ort-Prüfung einbringen. So erfolgt eine Auseinandersetzung mit den vorhandenen Innenentwicklungspotenzialen. Zukünftig sollen in die Betrachtung auch langfristig zu entwickelnde Potenzialflächen[1] einbezogen werden, sofern in den betreffenden Ortsgemeinden hier ein Handlungsdruck zu erkennen ist (bspw. bei Wunsch nach einem Neubaugebiet).

      Es gibt auch bereits Orte, die ihre Datengrundlagen zu Innenentwicklungspotenzialen eigenständig in viel kürzeren Abständen aktualisieren und aktiv mit dieser Datengrundlage vor Ort arbeiten und eigene Maßnahmen durchführen. Die eigenständige Arbeit mit den Ergebnissen der Kataster sollte sich in immer mehr Ortsgemeinden als Teil der Arbeit im Ortsgemeinderat etablieren.

      Ergänzend zu diesem Leerstandskataster nutzt die VG Daun RAUM+Monitor für die Erfassung der Flächenpotenziale. Hierzu zählen Baulücken wie auch Flächen im Außenbereich, die nach FNP als Wohnbau- oder Mischbaufläche gekennzeichnet sind. Die Flächen wurden mit diesem Programm erstmalig erfasst, seitdem erfolgt eine kontinuierliche Aktualisierung. Bei der Bewilligung eines Bauantrages werden die entsprechenden Flächen herausgenommen.

      Um die Innenentwicklung vor Ort aktiv voranzutreiben, ist es wichtig, über eine entsprechende Kenntnis der Innenentwicklungspotenziale zu verfügen. Die in Kapitel 5.5.2 beschriebenen Leerstands, Baulücken- und Freiflächenkataster

      [1] Hierbei handelt es um unbebaute Flächen im städtebaulichen Siedlungszusammenhang, für die eine Erschließung vorhanden ist oder die Möglichkeit besteht, diese bereitzustellen. Sie sind städtebaulich geeignet, verfügen aber nicht über Baurecht und setzen eine Bodenordnung voraus, um diese Flächen bebauen zu können. Diese Flächen bedürfen einer langfristigen Planung. Ein Beispiel hierfür ist Bauen in zweiter Reihe.

    2. INNENENTWICKLUNGSKONZEPTE für die Orte erarbeiten

      Für einzelne Ortsgemeinden kann es hilfreich sein, sich städtebauliche Innenentwicklungskonzepte planerisch erarbeiten zu lassen. Eine solche Planung beinhaltet neben einer Übersicht über die vorhandenen Innenentwicklungspotenziale Aussagen zu städtebaulichen Missständen, Qualitäten und Potenzialen. Es wird aufbereitet, welche Entwicklung aus städtebaulicher Sicht in der Ortslage, v.a. im Ortskern möglich und sinnvoll ist. Dies ist insb. mit Blick darauf, in der VG Daun zukünftig Orte mit Atmosphäre zu erhalten/ zu schaffen, von Bedeutung. Mit aktuellen Dorferneuerungskonzepten liegt ein solche planerische Bearbeitung bereits vor.  

    3. BAULÜCKEN aktivieren

      Aktivierbarkeit zu prüfen sind. Sie sind daher gerade in der Diskussion um evtl. Neubaugebiete von besonderem Interesse.

      In der VG Daun wurde seitens der Bauverwaltung das Verfahren eingeführt, dass jede Ortsgemeinde, die Interesse an der Ausweisung eines Neubaugebietes hat, zunächst den Versuch unternehmen muss, vorhandene Baulücken zu aktivieren. Nur wenn nachgewiesen wird, dass eine Entwicklung im Innenbereich nicht möglich ist, wird die Diskussion um ein Neubaugebiet fortgeführt. Nur unter bestimmten Bedingungen ist überhaupt die Ausweisung eines Neubaugebietes möglich (Nachweis des Bedarfes, entsprechende Deklarierung der Fläche im FNP). Durch dieses Verfahren konnte bereits die Ausweisung von Neubaugebieten abgewendet und so die innerörtliche Entwicklung befördert werden.

      Dieses Verfahren ist in der VG Daun auch zukünftig anzuwenden.

      Ergänzend dazu sollte auch in den OGn, die sich bislang noch nicht aktiv mit ihren Innenentwicklungs-potenzialen und den Möglichkeiten der Aktivierung von Baulücken auseinandergesetzt haben, ein Aktivierungsversuch gestartet werden. Eine Möglichkeit hierzu ist eine VG-weite Kampagne zur Aktivierung von Baulücken und geringfügig bebauten Grundstücken[1]. Diese beinhaltet ein Anschreiben aller Eigentümer mit dem Ziel, mehr über die Pläne der Eigentümer bzgl. der Grundstücke und ihr Interesse an einer Veräußerung zu erfahren. Damit verbunden wird ein Beratungsangebot seitens der Bauverwaltung, eine VG-weite Kommunikation über diese Kampagne (z.B. über die Vorteile der Aktivierung von Baulücken) sowie eine unterstützende Ansprache durch Vertreter der Ortsgemeinde (Ortsbeirat, ggf. AK Innenentwicklung, ggf. DIE-Botschafter, siehe hierzu Maßnamenbereich 5.5.6).

      [1] Diese Flächen unterscheiden sich von Baulücken nur dadurch, dass sie in einer geringeren, nicht der Nachbarbebauung entsprechenden Form (z. B. Schuppen) bebaut sind. Auch sie sind zügig bebaubar. 

    4. FINANZIELLE ANREIZE für die Innenentwicklung schaffen

      Bekannt ist, dass auch kleinere finanzielle Anreize die Innenentwicklung bereits befördern können. Die VG Daun hat daher als eine der Empfehlungen aus dem Projekt DIE- Chance für das Dorf! 2014 ein VG-weites Förderprogramm Abriss und Wiederherstellung von Freiflächen für nicht mehr erhaltenswerte, leerstehende Wohn- und Ökonomiegebäude aufgelegt, nach dem auch eine Nachfrage bestand. Im Zeitraum 2014 bis 2017 wurden insgesamt 24 private und 7 öffentliche Anträge gestellt, von denen 21 private und 4 öffentliche auch bewilligt wurden. Hierbei handelte es sich sowohl um den Abriss von Wohnhäusern wie auch von Nebengebäuden. Seitens der Kommunalaufsicht wurde dieses VG-weite Förderprogramm jedoch ab 2018 untersagt, da dies eine freiwillige Aufgabe der Ortsgemeinden sei, die nicht durch eine Verbandsgemeinde übernommen werden dürfe. Die VG Daun bereitet derzeit die erneute Auflage dieses Programms vor. Hierzu müssen die interessierten Ortsgemeinden diese Aufgabe auf die VG Daun übertragen. Für alle diejenigen Ortsgemeinden, die dies tun, will die VG Daun dann das Förderprogramm erneut auflegen.

      Eine weitere Möglichkeit ist die Auflage eines Förderprogramms auf Ebene der Ortsgemeinde. Zwei Ortsgemeinden verfügen bereits über ein Förderprogramm zur Innenentwicklung – Ellscheid und Niederstadtfeld.[1]

      [1] Ellscheid: Kommunales Förderprogramm zur Schaffung und Sanierung von Wohnraum. Förderfähig sind: Erwerb von Bausubstanz zur Wiederverwendung als Wohnraum; Sanierung von Bausubstanz zur Wiederverwendung als Wohnraum, Abriss alter Gebäude und Schaffung neuen Wohnraumes auf gleichem Grundstück, Umbau von ungenutzten Wirtschaftsgebäuden zu Wohnraum

      Niederstadtfeld fördert seit 2015 u.a. den Erwerb und der Renovierung/Sanierung eines Bestandsgebäudes.


    Weitere Maßnahmenbereiche sind:

    5. DIE-Botschafter – EHRENAMTLICHE in der INNENENTWICKLUNG einsetzen

    6. WOHNRAUM für ALLE schaffen