Handlungsfeld 4: VG Daun – Dorfinnenentwicklung hat Vorrang

    In Handlungsfeld 4 werden Ansätze verfolgt, die die Innenentwicklung der Orte in der Verbandsgemeinde Daun fördern. So können die Attraktivität und Vitalität der Dörfer erhalten und die Inanspruchnahme von wertvollen Flächen der Kulturlandschaft im Außenbereich vermieden werden.

    Das Handlungsfeld reicht von der Schaffung der notwendigen planerisch-konzeptionellenGrundlagen über die Sensibilisierung für die Vorteile der Innenentwicklung, die Schaffung finanzieller Anreize bis hin zu ganz konkreten Maßnahmen der Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen. Die Verbandsgemeinde Daun kann hier insb. durch das LEADER-Projekt DIE-Chance für das Dorf!, das sie gemeinsam mit den Verbandsgemeinden Gerolstein, Kelberg und Ulmen in den Jahren 2011 bis 2014 durchgeführt hat, auf Datengrundlagen wie auf ein Instrumentenset zurückgreifen. Diese Daten werden seitdem regelmäßig aktualisiert und das Instrumentenset wird in großen Teilen bereits angewandt. Im Zuge der Aktualisierungen der Entwicklungsstrategie für die Verbandsgemeinde Daun und ihre Ortsgemeinden in 2018 und 2021 wurde das Instrumentenset wo nötig noch weiterentwickelt.

    Positiv ist hervorzuheben, dass die Leerstandsquote (=Anteil von Leerständen an den Wohngebäuden insgesamt) in der Verbandsgemeinde Daun nach einer leichten Erhöhung in 2016 auf 6,71 % in den letzten Jahren leicht gesunken ist. 2018 lag sie bei 4,91% und 2020 bei 4,66%. Ein größeres Thema sind die sog. potenziellen Leerstände in der Verbandsgemeinde Daun. Die potenzielle Leerstandsquote lag seit 2016 jeweils etwa um die zehn Prozent. Das bedeutet, für jedes zehnte Wohngebäude ist die langfristige Nutzung offen, es besteht hier zumindest teilweise das Risiko eines zukünftigen Leerstandes. Diese beiden Zahlen zeigen exemplarisch, das im Themenfeld Innenentwicklung auch zukünftig Handlungsbedarf besteht

    Um erfolgreich Innenentwicklung in den Dörfern betreiben zu können, sollte sich zunächst mit der Vision für das eigene Dorf beschäftigt werden. Zukunftskonferenzen (siehe Handlungsfeld 5) bieten hierzu einen geeigneten Einstieg.

    Akteure in diesem Handlungsfeld sind die Verbandsgemeindeverwaltung Daun, die Ortsgemeinderäte, weitere vor Ort in der Innenentwicklung ehrenamtlich Aktive und die Eigentümer eines Innenentwicklungspotenzials.

    1. KATASTER aktualisieren und pflegen

      Grundlage für eine erfolgreiche Innenentwicklung ist die Kenntnis der vorhandenen Innenentwicklungspotenziale. Die im Projekt DIE-Chance für das Dorf! aufgebauten Kataster zu Leerständen, potenziellen Leerständen und Baulücken aus 2012 bilden hier die Basis. Seit 2016 werden diese alle zwei Jahre aktualisiert, zuletzt 2020. Aufgabe der Ortsgemeinden war und ist es, diese mit ihrem Wissen von vor Ort zu prüfen.

      Auch zukünftig sollen diese Daten alle zwei Jahre aktualisiert werden und anschließend durch die Ortsgemeinderäte (oder, wo vorhanden, unterstützt durch einen Arbeitskreis Innenentwicklung) vor Ort überprüft werden. Hieran beteiligt sich mittlerweile bereits der überwiegende Teil der Ortsgemeinden. Ziel ist es, dass sich zukünftig alle Ortsgemeinden aktiv in diese vor-Ort-Prüfung einbringen. So erfolgt eine Auseinandersetzung mit den vorhandenen Innenentwicklungspotenzialen. Zukünftig sollen in die Betrachtung auch langfristig zu entwickelnde Potenzialflächen (Hierbei handelt es um unbedaute Flächen im städtebaulichen Siedlungszusammenhang, für die eine Erschließung vorhanden ist oder die Möglichkeit besteht, diese bereitzustellen. Sie sind städtebaulich geeignet, verfügen aber nicht über Baurecht und setzen eine Bodenordnung voraus, um diese Fläche bebauen zu können. Diese Flächen bedürfen einer langfristigen Planung. Ein Beispiel hierfür ist Bauen in zweiter Reihe.) einbezogen werden, sofern in den betreffenden Ortsgemeinden hier ein Handlungsdruck zu erkennen ist (bspw. bei Wunsch nach einem Neubaugebiet).

      Es gibt auch bereits Orte, die ihre Datengrundlagen zu Innenentwicklungspotenzialen eigenständig in viel kürzeren Abständen aktualisieren und aktiv mit dieser Datengrundlage vor Ort arbeiten und eigene Maßnahmen durchführen. Die eigenständige Arbeit mit den Ergebnissen der Kataster sollte sich in immer mehr Ortsgemeinden als Teil der Arbeit im Ortsgemeinderat etablieren.

      Ergänzend zu diesem Leerstandskataster nutzt die Verbandsgemeinde Daun RAUM+Monitor für die Erfassung der Flächenpotenziale. Hierzu zählen Baulücken wie auch Flächen im Außenbereich, die nach FNP als Wohnbau- oder Mischbaufläche gekennzeichnet sind. Die Flächen wurden mit diesem Programm erstmalig erfasst, seitdem erfolgt eine kontinuierliche Aktualisierung. Bei der Bewilligung eines Bauantrages werden die entsprechenden Flächen herausgenommen.

      Um die Innenentwicklung vor Ort aktiv voranzutreiben, ist es wichtig, über eine entsprechende Kenntnis der Innenentwicklungspotenziale zu verfügen. Die beschriebenen Leerstands, Baulücken- und Freiflächenkataster bilden hierfür die Basis.

    2. INNENENTWICKLUNGSKONZEPTE für die Orte erarbeiten

      Für einzelne Ortsgemeinden kann es hilfreich sein, sich städtebauliche Innenentwicklungskonzepte planerisch erarbeiten zu lassen. Eine solche Planung beinhaltet neben einer Übersicht über die vorhandenen Innenentwicklungspotenziale Aussagen zu städtebaulichen Missständen, Qualitäten und Potenzialen. Es wird aufbereitet, welche Entwicklung aus städtebaulicher Sicht in der Ortslage, v.a. im Ortskern möglich und sinnvoll ist. Dies ist insb. mit Blick darauf, in der Verbandsgemeinde Daun zukünftig Orte mit Atmosphäre zu erhalten/ zu schaffen, von Bedeutung. Mit aktuellen Dorferneuerungskonzepten liegt ein solche planerische Bearbeitung bereits vor.  

    3. BAULÜCKEN aktivieren

      Baulücken sind Flächenpotenziale, die mit vergleichsweise geringem Aufwand aktivierbar bzw. auf Aktivierbarkeit zu prüfen sind. Sie sind daher gerade in der Diskussion um evtl. Neubaugebiete von besonderem Interesse.

      In der Verbandsgemeinde Daun wurde seitens der Bauverwaltung das Verfahren eingeführt, dass jede Ortsgemeinde, die Interesse an der Ausweisung eines Neubaugebietes hat, zunächst den Versuch unternehmen muss, vorhandene Baulücken zu aktivieren. Nur wenn nachgewiesen wird, dass eine Entwicklung im Innenbereich nicht möglich ist, wird die Diskussion um ein Neubaugebiet fortgeführt. Nur unter bestimmten Bedingungen ist überhaupt die Ausweisung eines Neubaugebietes möglich (Nachweis des Bedarfes, entsprechende Deklarierung der Fläche im FNP). Durch dieses Verfahren konnte bereits die Ausweisung von Neubaugebieten abgewendet und so die innerörtliche Entwicklung befördert werden. Dieses Verfahren ist in der Verbandsgemeinde Daun auch zukünftig anzuwenden. Dieses Verfahren ist in der VG Daun auch zukünftig anzuwenden.

      Ergänzend dazu sollte auch in den Ortsgemeinden, die sich bislang noch nicht aktiv mit ihren Innenentwicklungspotenzialen und den Möglichkeiten der Aktivierung von Baulücken auseinandergesetzt haben, ein Aktivierungsversuch gestartet werden. Eine Möglichkeit hierzu ist eine Verbandsgemeinde-weite Kampagne zur Aktivierung von Baulücken und geringfügig bebauten Grundstücken[1]. Diese beinhaltet ein Anschreiben aller Eigentümer mit dem Ziel, mehr über die Pläne der Eigentümer bzgl. der Grundstücke und ihr Interesse an einer Veräußerung zu erfahren. Damit verbunden wird ein Beratungsangebot seitens der Bauverwaltung, eine Verbandsgemeinde-weite Kommunikation über diese Kampagne (z.B. über die Vorteile der Aktivierung von Baulücken) sowie eine unterstützende Ansprache durch Vertreter der Ortsgemeinde (Ortsbeirat, ggf. Arbeitskreis Innenentwicklung, ehemalige Teilnehmende der Qualifizierungsmaßnahme zum Thema Innenentwicklung (siehe hierzu Kapitel 5.13.4) aus der jeweiligen Ortsgemeinde).

      [1] Diese Flächen unterscheiden sich von Baulücken nur dadurch, dass sie in einer geringeren, nicht der Nachbarbebauung entsprechenden Form (z. B. Schuppen) bebaut sind. Auch sie sind zügig bebaubar. 

    4. FINANZIELLE ANREIZE für die Innenentwicklung schaffen

      Bekannt ist, dass auch kleinere finanzielle Anreize die Innenentwicklung bereits befördern können. Die VG Daun hat daher als eine der Empfehlungen aus dem Projekt DIE- Chance für das Dorf! 2014 ein VG-weites Förderprogramm Abriss und Wiederherstellung von Freiflächen für nicht mehr erhaltenswerte, leerstehende Wohn- und Ökonomiegebäude aufgelegt, nach dem auch eine Nachfrage bestand. Im Zeitraum 2014 bis 2017 wurden insgesamt 24 private und 7 öffentliche Anträge gestellt, von denen 21 private und 4 öffentliche auch bewilligt wurden. Hierbei handelte es sich sowohl um den Abriss von Wohnhäusern wie auch von Nebengebäuden.  Ob dies unter den Einschränkungen, die von der Kommunalaufsicht vorgegeben wurden, umsetzbar ist, steht noch aus.  (Seitens der Kommunalaufsicht wurde dieses Verbandsgemeinde-weite Förderprogramm jedoch ab 2018 untersagt, da dies eine freiwillige Aufgabe der Ortsgemeinden sei, die nicht durch eine Verbandsgemeinde übernommen werden dürfe. Um das Programm erneut aufzulegen, müssen die interessierten Ortsgemeinden diese Aufgabe auf die Verbandsgemeinde Daun übertragen. In einer Sitzung des HFA-Ausschusses im April 2021 haben einzelne Ortsgemeinden der Neuauflage nicht zugestimmt. Dies bedeutet, dass man bei einer Einführung eine Sonderumlage einführen müsste. Daher wird das Förderprogramm derzeit noch diskutiert.)

      Eine weitere Möglichkeit ist die Auflage eines Förderprogramms auf Ebene der Ortsgemeinden, dies ist aktuell in zwei Ortsgemeinden der Fall.
      ( Ellscheid: Kommunales Förderprogramm zur Schaffung und Sanierung von Wohnraum. Förderfähig sind: Erwerb von Bausubstanz zur Wiederverwendung als Wohnraum; Sanierung von Bausubstanz zur Wiederverwendung als Wohnraum, Abriss alter Gebäude und Schaffung neuen Wohnraumes auf gleichem Grundstück, Umbau von ungenutzten Wirtschaftsgebäuden zu Wohnraum
      Niederstadtfeld: N. förderte seit 2015 u.a. den Erwerb und der Renovierung/ Sanierung eines Bestandsgebäudes. Das Förderprogramm wurde zum 31.5.2021 u.a. aufgrund der Haushaltslage und einer sich entwickelnden Eigendynamik beim Verkauf von Häusern ausgesetzt, kann aber bei Bedarf wieder ins Leben gerufen werden.
      Bleckhausen: Förderprogramm zur Unterstützung von Familien mit Kindern und zur Dorfinnenentwicklung in Bleckhausen, wurde 2020 beschlossen. Förderung junger Familien: Junge Familien/ Alleinerziehende erhalten beim Bau oder dem Erwerb eines Wohnhauses auf Antrag einen einmaligen Betrag von 250 € pro Kindergeldberechtigtem Kind unter 18 Jahren von der Ortsgemeinde. Junge Familien/ Alleinerziehende erhalten bei Geburt oder Adoption eines Kindes auf Antrag einen Betrag von 250 € von der Ortsgemeinde. Renovierung/ Sanierung eines Bestandsgebäudes und Abriss alter Gebäude: 10% der Kosten, höchstens 3000 €.)


    Weitere Maßnahmenbereiche sind:

    5. WOHNRAUM für ALLE schaffen