Resolution

    Der Verbandsgemeinderat Daun hat in seiner Sitzung am 14. Dezember 2018 zur Zukunft der geburtshilflichen Versorgung in der Vulkaneifel Folgendes einstimmig festgestellt:

    1. Das Krankenhaus Maria Hilf in Daun hat am 12. November 2018 bekannt gegeben, dass der Bereich Geburtshilfe der Belegabteilung Gynäkologie/Geburtshilfe zum 31.12.2018 geschlossen wird. Diese Mitteilung hat in unserer Region eine solche Betroffenheit der hier lebenden Menschen von Jung bis Alt erzeugt, wie wir sie bislang nicht kannten. Daraus sind Aktionen entstanden, wie es sie vorher bei uns nicht gab und deren vorwiegende Intention es ist, nicht „gegen etwas“, sondern „für etwas“ zu sein. Andererseits überrascht die gezeigte Betroffenheit nicht. Die gesicherte geburtshilfliche Versorgung ist ein menschliches Grundanliegen und damit eine der bedeutsamsten Aufgaben öffentlicher Daseinsvorsorge. Es ist die Erwartung berechtigt, dass sie erfüllt wird.  

    2. Hoffnungen, Erwartungen und Forderungen, dass der Bereich Geburtshilfe zumindest vorübergehend im Krankenhaus Maria Hilf fortgeführt wird, haben sich nicht erfüllt. Stiftungsvorstand der Stiftung Regina Protmann und Gesellschafterversammlung der Gesellschaft der Katharinenschwestern mbH haben in ihren Sitzungen am 5. Dezember 2018 den Schließungsbeschluss bestätigt. Es ist die Einschätzung begründet, dass diese Entscheidungen nicht leichtfertig, sondern schweren Herzens und in Verantwortung für die Zukunft des Krankenhauses Maria Hilf getroffen wurden und finanzielle Gründe letztlich nicht entscheidend waren. Die Schließung erscheint vielmehr als Folge eines enorm komplizierten Gesundheitssystems und eines Mangels an Fachärzten, von dem gerade und besonders der ländliche Raum betroffen ist. Dies zeigt sich für uns nun in einer äußerst dramatischen Weise. 

    3. In den letzten 20 Jahren ist bundesweit die Zahl der Krankenhäuser, die Geburtshilfe anbieten, von über 1.000 auf knapp 700 zurückgegangen. In der Eifel haben in den letzten Jahren die Geburtshilfeabteilungen in Prüm, Adenau und Gerolstein und angrenzend in Cochem, Zell und Traben-Trarbach geschlossen. Ab dem 1. Januar 2019 stehen den werdenden Eltern aus der Vulkaneifel die weiter entfernten Geburtshilfeabteilungen in Mayen, Mechernich, St. Vith, Wittlich und Bitburg zur Verfügung. Damit schließt zum Jahreswechsel die letzte Geburtshilfe in der Vulkaneifel. Dieser damit deutlich werdenden Benachteiligung unseres dünnbesiedelten ländlichen Raumes, die mit einer starken negativen Betroffenheit durch die demographische Veränderung einhergeht, wird in der Verbandsgemeinde Daun mit dem WEGE-Prozess seit 2010 beharrlich entgegengewirkt.  

    4. Im WEGE-Prozess wird zunehmend deutlich, wie das Bewusstsein der hier lebenden Menschen dafür wächst, welche Chancen für sie darin bestehen, einen Beitrag für eine lebenswerte und gesunde Zukunft in Gemeinschaft zu leisten. Unsere Bürgerinnen und Bürger erhalten vielfältige Gelegenheiten, ihre Potenziale zu entfalten und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Beispielhaft können die zahlreichen Zukunftskonferenzen genannt werden, die in den letzten Jahren mit überaus großem Erfolg insbesondere in unseren Dörfern stattfanden. Es ist ein entscheidender Vorteil unserer Region, dass wir Menschen haben, die gewillt und in der Lage sind, ihre Zukunft maßgeblich selbst in die Hand zu nehmen. Zur Gestaltung der zukünftigen geburtshilflichen Versorgung gilt es, die aus der bestehenden Betroffenheit erzeugte positive Energie aufrecht zu erhalten und zu nutzen und Menschen darin zu unterstützen, die einen Beitrag dazu leisten wollen. Es geht darum, Lösungen zu erarbeiten, die ein Auffangen bieten. Es gibt Beispiele aus anderen Regionen, wie dem Oberpinzgau/Tirol (siehe NATUR & HEILEN, 11/2018, 22 ff.). Auch dort haben sehr engagierte Menschen, insbesondere Hebammen „das Zepter in die Hand genommen“, sind vorangegangen und gründeten ein Hebammenzentrum, dies augenscheinlich mit großem Erfolg.  

    5. Die Gestaltung der zukünftigen geburtshilflichen Versorgung in der Vulkaneifel ist gleichwohl eine sehr komplexe Aufgabe. Als Bestandteil des WEGE-Prozesses ist der Bürger für Bürger e. V. seit 2015 Begünstigter des Förderprojekts „Engagierte Stadt“, das getragen ist von den bekanntesten Stiftungen Deutschlands und dem Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. Bei uns sind an der Umsetzung ca. 30 Akteure aus Kommunen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft beteiligt. Eines der unter den Beteiligten einvernehmlich und auf Augenhöhe vereinbarten Ziele ist, dass sich bei uns im Jahre 2030 die Zahl der Familien signifikant erhöht hat. Eine sehr bedeutsame Erkenntnis aus diesem Prozess ist allerdings, dass sich komplexe Probleme oder Aufgaben nur nach den Prinzipien des „Gemeinsamen Wirkens“ lösen lassen. Dies erfordert u. a., dass sich zumindest die Sektoren Kommunen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft auf ein gemeinsames, strukturiertes und konsequentes, eine beständige Kommunikation und Steuerung sicherndes Vorgehen vereinbaren. Das „Gemeinsame Wirken“ ist jedenfalls dann Erfolg versprechend und ebenso erforderlich, wenn die genannten drei Sektoren einen gemeinsamen „Schmerz“ erfahren haben. Das ist hier der Verlust der stationären Geburtshilfe in der Vulkaneifel. Dieser Verlust berührt bzw. schmerzt nicht nur die Gemeinden und die Zivilgesellschaft mit all ihren Facetten, sondern auch die Wirtschaft. Denn die Wirtschaft sieht sich wachsend einem Fach- bzw. Arbeitskräftemangel ausgesetzt. Hiervon ausgehend besteht die Chance, dass Kommunen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft gemeinsam im Sinne des „Gemeinsamen Wirkens“ eine Lösung für die zukünftige geburtshilfliche Versorgung erarbeiten. Der Wille, die Fähigkeiten und die Kraft dazu sind vorhanden.

    6. Die Verbandsgemeinde Daun sieht sich für ihre Bürgerinnen und Bürger nicht nur in der Verantwortung, sondern auch mit einer angemessenen Kompetenz ausgestattet, zu diesem „Gemeinsamen Wirken“ einen Beitrag zu leisten. Die langjährigen Erfahrungen aus dem WEGE-Prozess dienen als Hintergrund. Der Verbandsgemeinderat bekundet hiermit zudem seinen Willen, die zukünftige geburtshilfliche Versorgung in der Vulkaneifel finanziell dauerhaft zu unterstützen, sollte unser gesetzlich finanziertes Gesundheitssystem dies erfordern. In den Haushaltsplan 2019 und die weitere Finanzplanung werden hierzu 50.000 €/a eingestellt. Der Kreistag hat am 3. Dezember 2018 beschlossen, zu diesem Zweck bis zu 0,5 v. H. der Kreisumlage bereit zu stellen. Die finanzielle Sicherung der zukünftigen geburtshilflichen Versorgung in der Vulkaneifel ist erforderlich. Es bestehen große Aussichten, dass sie gemeinsam gewährleistet wird. Aber zunächst bedarf es der Menschen, die sie erbringen. Sie finden allerdings eine bisher noch nie da gewesene Unterstützung in ihren Mitmenschen.