Von Glockengießern und (zukünftigen) Bierbrauern

    Brockscheid im Mai 2017. Ca. 40 Bürgerinnen und Bürger haben sich auf den WEG ins Gemeindehaus gemacht, um im Rahmen einer Zukunftskonferenz gemeinsam die Zukunft ihres Ortes einzuläuten. Als Glockengießerdorf (wahrscheinlich das einzige Dorf mit zwei Glockengießereien) ist Brockscheid über die Region hinaus bekannt und wer weiß – vielleicht macht demnächst auch selbst gebrautes „Glockenbräu“ von sich reden…

    Samstagmorgen, 10 Uhr. Nach und nach füllt sich der Bürgersaal. Gespannt wartet man auf das, was da wohl kommen mag. Voller Vorfreude, Neugier und teilweise auch Skepsis finden sich die Brockscheider zusammen, um gemeinsam in einer von Bürgermeister Werner Klöckner und dem WEGE-Team der Verbandsgemeinde Daun moderierten Zukunftskonferenz auf die Herausforderungen und Chancen des Dorfes und des Zusammenlebens im Ort zu schauen.

    Die gute alte (neue) Zeit

    Los ging es mit einem Blick in die Vergangenheit. Während sich die älteren Bürgerinnen und Bürger noch gut an die Zeiten vor Computer, Internet und Handys erinnern können, sind die Jugendlichen damit aufgewachsen. Früher sah die Freizeitgestaltung noch ganz anders aus: Es gab weniger Angebote – als Kind war man entweder im Fußballverein oder bei den Messdienern – oder beides. Die ältesten Teilnehmer erzählen, dass sich die Männer früher nach dem Sonntagsgottesdienst zu verschiedenen Stammtischen im Gasthaus Zur Glocke, Im Läubchen oder in der Gemütlichen Ecke trafen – hin und wieder zog sich das „Frühschoppen“ auch bis in den Nachmittag. Was allen Generationen gleich ist, ist, dass das Spielen der Kinder im Dorf relativ behütet und ungefährlich ist, da Brockscheid keinen Durchgangsverkehr hat.

    Stolz auf das, was man hat

    Nach diesem lohnenswerten Blick in die Vergangenheit stellten die Brockscheider heraus, was ihren Ort auszeichnet und was ihn in seiner Entwicklung hemmt. Neben dem Alleinstellungsmerkmal zweier Glockengießereien sind die Brockscheider besonders stolz auf die für einen kleinen Ort relativ große Zahl an Arbeitsplätzen. Auch die Landschaft und damit auch die touristische Attraktivität des Ortes zeichnen diesen aus. Das Gemeinschaftsleben, die Vereine, die noch funktionierende Nachbarschaftshilfe – all dies sind Aspekte, die das Leben in Brockscheid lebenswert machen. Ein großes Potenzial wird auch in der stärkeren Einbindung der Jugendlichen gesehen. Genug Gründe, „Ja, aber“-Haltungen zur Vergangenheit werden zu lassen!

    Die Zukunft wird eingeläutet

    Dann waren Visionen gefragt: Wie stellen wir uns das Leben in Brockscheid im Jahr 2030 – idealer Weise – vor? Die Brockscheider sammelten Ideen, diskutierten und schufen sich ihr gemeinsames Bild von der Zukunft ihres Dorfes – und das Ergebnis kann sich sehen lassen! Insgesamt sechs Arbeitsgruppen wurden gegründet:

    1. Finanzen und Finanzierung
    2. Umwelt und Energie
    3. Alle Generationen und gesundes Alter
    4. Infrastruktur
    5. Barrierefreiheit
    6. Anlässe und Aktivitäten

    So möchten die Brockscheider beispielsweise einen Förderverein gründen, gemeinsame Aktionen für Jung und Alt planen, das Dorffest reaktivieren, Stolperfallen im Ort beseitigen, eine Gruppe zur Energieberatung gründen sowie eigenes Bier brauen uvm. Auch die Nachbarschaftshilfe soll im Sinne einer sorgenden Gemeinschaft weiter ausgebaut werden. Eine ältere Teilnehmerin bringt es auf den Punkt: „Ich bin froh, dass ich mich abends mit dem Gedanken ins Bett legen kann, dass, wenn ich Hilfe brauche, jemand aus dem Dorf da ist!“

    Wie man sieht: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Nur so können kreative Ideen entstehen, die zunächst vielleicht ungewöhnlich klingen, aber genau dadurch die Motivation vieler Bürger entfachen.

    Die Arbeitsgruppen freuen sich über weitere Mitmacher!